Kieferhöhlenentzündung: Wenn der Zahn schuld ist – odontogene Sinusitis verstehen und behandeln

Autor:  Dr. med. dent. Wolfgang Morche, Zahnarzt mit Tätigkeitsschwerpunkt Oralchirurgie & Implantologie, München-Schwabing – Letztes Update: Mai 2026

Kieferhöhlenentzündung die nicht heilt - woran liegt das?

Der Druck ist allgegenwärtig – ein dumpfes Pochen hinter den Wangenknochen, eine verstopfte Nase, die sich trotz Nasenspray nicht bessert, und ein übler Geschmack im Mund, der sich hartnäckig hält. Viele Patienten mit diesen Beschwerden suchen zuerst den Hals-Nasen-Ohren-Arzt auf, erhalten Antibiotika und Nasensprays – und erleben dennoch, dass die Entzündung nach einigen Wochen zurückkehrt. Was sie nicht wissen: Die Ursache liegt möglicherweise gar nicht in der Nase, sondern in einem Zahn.

Die odontogene Sinusitis – die zahnbedingte Kieferhöhlenentzündung – ist eine der am häufigsten übersehenen Diagnosen in der Medizin. Schätzungen zufolge hat bis zu einem Drittel aller chronischen einseitigen Kieferhöhlenentzündungen eine zahnmedizinische Ursache. Solange diese Ursache nicht beseitigt wird, kann keine noch so gute HNO-Behandlung eine dauerhafte Heilung bewirken.

Dieser Artikel erklärt Ihnen, wie eine Kieferhöhlenentzündung entsteht, wann der Zahn der eigentliche Auslöser ist, wie die Diagnose gestellt wird und welche modernen chirurgischen Behandlungsmöglichkeiten heute zur Verfügung stehen.

„In meiner täglichen Praxis erlebe ich regelmäßig Patienten, die jahrelang wegen einer Kieferhöhlenentzündung behandelt wurden – ohne Erfolg. Der Grund: Niemand hat den Zahn als Ursache in Betracht gezogen. Sobald die zahnmedizinische Ursache beseitigt ist, erholen sich die Patienten oft innerhalb weniger Wochen vollständig.”

Dr. med. dent. Wolfgang Morche, Zahnarzt mit Tätigkeitsschwerpunkt Oralchirurgie & Implantologie, München

1. Anatomie: Warum Zähne und Kieferhöhlen so eng beieinanderliegen

Um zu verstehen, wie ein Zahn eine Kieferhöhlenentzündung verursachen kann, lohnt ein Blick auf die Anatomie. Die Kieferhöhlen (Sinus maxillares) sind die größten der vier paarigen Nasennebenhöhlen. Sie befinden sich links und rechts neben der Nase, eingebettet in den Oberkieferknochen. Jede Kieferhöhle hat ein Volumen von etwa 15 bis 20 Millilitern und ist mit einer dünnen Schleimhaut ausgekleidet.

Das Besondere an ihrer Lage: Der Boden der Kieferhöhle liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Wurzelspitzen der oberen Seitenzähne – insbesondere der Prämolaren und Molaren. Bei vielen Menschen ragen die Wurzelspitzen dieser Zähne so nah an die Kieferhöhle heran, dass sie nur durch eine hauchdünne Knochenlamelle oder sogar nur durch die Kieferhöhlenschleimhaut selbst von ihr getrennt sind. In einigen Fällen ragen die Wurzeln anatomisch bedingt sogar direkt in die Kieferhöhle hinein.

Diese anatomische Nähe ist der Schlüssel zur Entstehung der odontogenen Sinusitis: Entzündungen, die von den Zahnwurzeln ausgehen, können sich auf direktem Weg in die Kieferhöhle ausbreiten – ohne dass der Patient zunächst einen Zusammenhang vermutet.

Die am häufigsten betroffenen Zähne sind der zweite Oberkiefer-Molar (Zahn 17/27) mit sehr häufigem, oft direktem Kontakt zur Kieferhöhle, gefolgt vom ersten Oberkiefer-Molar (Zahn 16/26) mit enger Nachbarschaft, dem zweiten Oberkiefer-Prämolar (Zahn 15/25) mit gelegentlicher Nähe sowie dem dritten Oberkiefer-Molar bzw. Weisheitszahn (Zahn 18/28), dessen Lage je nach Durchbruch variiert.

2. Ursachen: Wie entsteht eine zahnbedingte Kieferhöhlenentzündung?

Die odontogene Sinusitis entsteht nicht über Nacht. Sie ist in den meisten Fällen die Folge einer längeren, unbehandelten oder unzureichend behandelten zahnmedizinischen Erkrankung. Die häufigsten Auslöser lassen sich in fünf Kategorien einteilen.

2.1 Entzündungen an der Zahnwurzel (apikale Parodontitis)

Die häufigste Ursache ist eine chronische Entzündung an der Wurzelspitze eines Oberkieferzahns. Diese entsteht, wenn Karies unbehandelt bleibt und sich bis in den Zahnnerv (Pulpa) ausbreitet. Der Nerv stirbt ab, und an der Wurzelspitze bildet sich ein eitriger Entzündungsherd – ein sogenanntes apikales Granulom oder eine Wurzelzyste. Liegt dieser Herd in unmittelbarer Nähe zur Kieferhöhle, können die Bakterien und Entzündungsprodukte die dünne Knochenwand durchdringen und die Kieferhöhlenschleimhaut infizieren.

Das Tückische daran: Tote Zähne verursachen oft keine Schmerzen mehr, weil der Nerv abgestorben ist. Die Entzündung an der Wurzelspitze kann jahrelang unbemerkt schwelen, bevor sie sich als Kieferhöhlenentzündung manifestiert.

2.2 Komplikationen nach Zahnentfernungen (Mund-Antrum-Verbindung)

Beim Ziehen eines oberen Seitenzahns kann es passieren, dass die dünne Knochenlamelle zwischen Zahnwurzel und Kieferhöhle einreißt. Es entsteht eine direkte Verbindung zwischen der Mundhöhle und der Kieferhöhle – eine sogenannte Mund-Antrum-Verbindung (MAV). Wird diese Verbindung nicht sofort erkannt und chirurgisch verschlossen, können Speichel, Speisereste und Bakterien ungehindert in die Kieferhöhle gelangen. Die Folge ist eine rasch einsetzende, oft eitrige Kieferhöhlenentzündung.

Typische Zeichen einer Mund-Antrum-Verbindung sind: Luft, die beim Schnäuzen durch die Extraktionswunde entweicht, Flüssigkeit, die beim Trinken in die Nase gerät sowie ein verändert klingender Nasenklang beim Sprechen.

2.3 Komplikationen bei Implantaten und Knochenaufbau (Sinuslift)

Wenn im Oberkiefer aufgrund von Knochenabbau nicht genügend Knochenhöhe für ein Implantat vorhanden ist, wird häufig ein Sinuslift (Kieferhöhlenbodenaugmentation) durchgeführt. Dabei wird der Boden der Kieferhöhle angehoben und mit Knochenmaterial aufgefüllt. Dieser Eingriff ist ein etabliertes und sicheres Verfahren – doch wie jede Operation birgt er Risiken. Wird die Kieferhöhlenschleimhaut dabei verletzt oder perforiert, kann das eingebrachte Knochenmaterial in die Kieferhöhle gelangen und eine Entzündung auslösen. Auch ein zu lang gesetztes Implantat, das in die Kieferhöhle ragt, kann eine chronische Sinusitis verursachen.

2.4 Zysten im Oberkiefer

Zahnwurzelzysten und follikuläre Zysten (die sich um nicht durchgebrochene Zähne bilden) können im Oberkiefer über Jahre hinweg wachsen, ohne Schmerzen zu verursachen. Wenn sie eine bestimmte Größe erreichen, können sie in die Kieferhöhle einbrechen und diese vollständig ausfüllen. Die Folge ist eine chronische Entzündung, die sich mit den typischen Symptomen einer Sinusitis manifestiert.

2.5 Fremdkörper in der Kieferhöhle

Ein häufig unterschätzter Auslöser ist überpresstes Wurzelfüllmaterial. Bei einer Wurzelkanalbehandlung kann es vorkommen, dass das Füllmaterial über die Wurzelspitze hinaus in die Kieferhöhle gedrückt wird. Bestimmte Wurzelfüllmaterialien, insbesondere solche auf Zinkoxid-Eugenol-Basis, sind für die Kieferhöhlenschleimhaut toxisch und lösen eine hartnäckige, oft pilzbedingte (fungale) Sinusitis aus.

3. Symptome: Wie erkenne ich eine zahnbedingte Kieferhöhlenentzündung?

Die Symptome der odontogenen Sinusitis ähneln stark denen einer klassischen, erkältungsbedingten Kieferhöhlenentzündung. Dennoch gibt es charakteristische Unterschiede, die auf eine zahnmedizinische Ursache hinweisen.

Das wichtigste Warnsignal ist die Einseitigkeit: Während eine klassische, erkältungsbedingte (rhinogene) Sinusitis häufig beide Seiten betrifft, ist die odontogene Sinusitis fast immer auf eine Seite beschränkt. Eine Kieferhöhlenentzündung, die immer nur auf einer Seite auftritt und trotz mehrfacher Antibiotikabehandlung immer wiederkehrt, sollte dringend auf eine zahnmedizinische Ursache untersucht werden.

Ein weiteres charakteristisches Merkmal ist der Geruch des Sekrets: Während es bei einer klassischen Sinusitis schleimig bis eitrig riecht, hat das Sekret bei einer odontogenen Sinusitis oft einen faulig-süßlichen Charakter, der auf anaerobe Bakterien aus dem Mundraum hinweist. Hinzu kommt, dass eine zahnbedingte Kieferhöhlenentzündung auf Antibiotika oft nur unzureichend anspricht, solange die zahnmedizinische Ursache nicht beseitigt ist, und dazu neigt, einen chronisch-rezidivierenden Verlauf zu nehmen.

Weitere Symptome, die auf eine odontogene Sinusitis hinweisen können, sind ein dumpfer bis pochender Schmerz in der Wange, der sich beim Vorbeugen verstärkt, ein Druckgefühl unterhalb des Auges, eine verstopfte Nase auf einer Seite, ein eingeschränktes Riechvermögen (Hyposmie), Kopfschmerzen, die sich beim Aufstehen aus dem Bett verschlimmern, sowie ein allgemeines Krankheitsgefühl mit Abgeschlagenheit und leichtem Fieber.

4. Diagnose: Wer ist zuständig – HNO-Arzt oder Zahnarzt?

Die Diagnose einer odontogenen Sinusitis ist eine interdisziplinäre Aufgabe. In der Praxis führt der Weg häufig zunächst zum HNO-Arzt, der die Nase und die Nasennebenhöhlen untersucht. Stellt er eine einseitige Entzündung fest, ohne eine typische HNO-Ursache (wie Nasenpolypen oder eine stark verkrümmte Nasenscheidewand) zu finden, sollte er den Patienten an einen Zahnarzt oder Spezialisten mit Tätigkeitsschwerpunkt Oralchirurgie überweisen.

4.1 Die Untersuchung beim HNO-Arzt

Der HNO-Arzt führt eine endoskopische Untersuchung der Nase durch und beurteilt den mittleren Nasengang, über den die Kieferhöhle drainiert. Findet sich hier einseitig Eiter oder eine entzündete Schleimhaut, ist dies ein starker Hinweis auf eine Sinusitis. Ein Abstrich des Sekrets kann Aufschluss über die beteiligten Keime geben – ein Befund mit anaeroben Bakterien, die typischerweise aus dem Mundraum stammen, ist ein wichtiger Hinweis auf eine odontogene Ursache.

4.2 Die Untersuchung beim Zahnarzt: Die Rolle der DVT

Der entscheidende diagnostische Schritt auf zahnmedizinischer Seite ist die Digitale Volumentomographie (DVT). Dieses dreidimensionale Röntgenverfahren liefert hochpräzise Schnittbilder des Kiefers und der Kieferhöhlen und ermöglicht es, die genaue Ursache der Entzündung zu lokalisieren.

Ein konventionelles zweidimensionales Röntgenbild (OPG) ist für diese Fragestellung oft nicht ausreichend, da es die komplexen räumlichen Verhältnisse am Kieferhöhlenboden nicht zuverlässig darstellen kann. Die DVT hingegen zeigt, ob eine Zahnwurzel entzündet ist und in die Kieferhöhle ragt, ob eine Zyste vorliegt und wie weit sie sich ausgedehnt hat, ob Fremdmaterial (z.B. Wurzelfüllmaterial oder Knochenersatzmaterial) in der Kieferhöhle vorhanden ist, ob ein Implantat die Kieferhöhle perforiert, und wie weit die Entzündung der Kieferhöhlenschleimhaut fortgeschritten ist. Die DVT ist damit das unverzichtbare Werkzeug für die Diagnose und die Operationsplanung bei der odontogenen Sinusitis.

5. Behandlung: Die Ursache muss beseitigt werden

Das Grundprinzip der Behandlung einer odontogenen Sinusitis lautet: Solange die zahnmedizinische Ursache besteht, ist keine dauerhafte Heilung möglich. Antibiotika und Nasensprays können die Symptome vorübergehend lindern, aber nicht die Ursache beseitigen. Die Therapie besteht daher immer aus zwei Bausteinen: der Beseitigung des zahnmedizinischen Auslösers und der begleitenden Behandlung der Kieferhöhlenentzündung selbst.

5.1 Beseitigung der zahnmedizinischen Ursache

Je nach Befund kommen verschiedene Behandlungsverfahren zum Einsatz.

Wurzelkanalbehandlung oder Wurzelspitzenresektion: Ist der betroffene Zahn noch erhaltungswürdig, wird zunächst versucht, ihn durch eine Wurzelkanalbehandlung zu sanieren. Dabei wird das infizierte Gewebe im Inneren des Zahns vollständig entfernt und der Kanal desinfiziert und gefüllt. Wenn die konventionelle Wurzelkanalbehandlung nicht ausreicht oder bereits gescheitert ist, kommt die Wurzelspitzenresektion (WSR) zum Einsatz: Der Zahnarzt legt die Wurzelspitze chirurgisch frei, entfernt das entzündete Gewebe und versiegelt den Wurzelkanal von der Rückseite.

Zahnentfernung: Ist der Zahn zu stark geschädigt und nicht mehr erhaltungswürdig, muss er schonend entfernt werden. Nach der Extraktion muss der entstandene Defekt sorgfältig versorgt werden, um eine Mund-Antrum-Verbindung zu vermeiden oder eine bereits bestehende zu verschließen.

Verschluss einer Mund-Antrum-Verbindung: Eine bestehende Verbindung zwischen Mundhöhle und Kieferhöhle muss chirurgisch speicheldicht verschlossen werden. Dies geschieht in der Regel durch eine plastische Deckung: Der behandelnde Zahnarzt verschiebt einen Lappen aus dem angrenzenden Zahnfleisch über die Öffnung und vernäht ihn. In manchen Fällen wird zusätzlich eine Membran eingesetzt, um die Heilung zu unterstützen.

Entfernung von Fremdkörpern: Überpresstes Wurzelfüllmaterial, in die Kieferhöhle geratenes Knochenersatzmaterial oder ein zu lang gesetztes Implantat müssen entfernt werden. Dies erfordert in der Regel eine Kieferhöhlenrevision.

Entfernung von Zysten: Kieferzysten werden operativ ausgeschält (Zystektomie). Bei größeren Zysten, die die Kieferhöhle vollständig ausfüllen, ist eine kombinierte Behandlung mit dem HNO-Arzt sinnvoll.

5.2 Die Kieferhöhlenrevision (Sinusrevision)

Bei chronischen, hartnäckigen Kieferhöhlenentzündungen oder wenn Fremdkörper in der Kieferhöhle vorhanden sind, ist eine operative Revision der Kieferhöhle notwendig. Ziel ist es, die entzündete Schleimhaut zu entfernen, Fremdkörper zu bergen und die natürliche Drainage der Kieferhöhle wiederherzustellen.

Heute wird dieser Eingriff in der Regel minimalinvasiv durchgeführt: Entweder über einen kleinen Schnitt im Mundvorhof oder in Zusammenarbeit mit dem HNO-Arzt über die Nase (endoskopische Kieferhöhlenoperation, FESS – Functional Endoscopic Sinus Surgery). Der endoskopische Zugang hat den Vorteil, dass er keine äußeren Schnitte erfordert und die Erholungszeit deutlich verkürzt.

5.3 Begleitende medikamentöse Therapie

Parallel zur chirurgischen Sanierung wird die Entzündung der Kieferhöhlenschleimhaut medikamentös behandelt. Antibiotika bekämpfen die bakterielle Infektion; bei odontogener Sinusitis werden häufig Präparate eingesetzt, die auch gegen anaerobe Keime wirksam sind (z.B. Amoxicillin mit Clavulansäure oder Clindamycin). Abschwellende Nasensprays verbessern die Belüftung der Kieferhöhle und fördern den Sekretabfluss, sollten jedoch auf maximal sieben Tage begrenzt werden, um einen Rebound-Effekt zu vermeiden. Regelmäßige Nasenspülungen mit isotonischer Kochsalzlösung helfen zusätzlich, die Schleimhäute zu befeuchten und Sekret abzutransportieren.

6. Besonderheit: Die fungale (pilzbedingte) Sinusitis

Eine Sonderform der odontogenen Sinusitis, die besondere Aufmerksamkeit verdient, ist die fungale Sinusitis maxillaris. Sie entsteht fast ausschließlich durch überpresstes Wurzelfüllmaterial, das Zinkoxid enthält. Dieses Material fördert das Wachstum von Schimmelpilzen (meist Aspergillus-Arten) in der Kieferhöhle.

Die fungale Sinusitis ist charakteristisch: Im CT oder DVT zeigt sich eine dichte, oft verkalkte Masse in der Kieferhöhle (sogenannter Pilzball oder Mykotom). Die Behandlung besteht in der vollständigen operativen Entfernung des Pilzballs und des auslösenden Fremdmaterials. Eine systemische Antimykotika-Therapie ist in der Regel nicht notwendig, da es sich um eine nicht-invasive Form der Pilzinfektion handelt.

7. Wann muss ich zum HNO-Arzt, wann zum Zahnarzt?

Diese Frage beschäftigt viele Patienten. Die Antwort ist einfach: Bei einer einseitigen, chronisch-rezidivierenden Kieferhöhlenentzündung sollten beide Spezialisten aufgesucht werden. In der Praxis empfiehlt sich folgendes Vorgehen:

Im ersten Schritt klärt der HNO-Arzt eine rein rhinogene Ursache aus (Polypen, Septumdeviation, Allergien) und führt eine endoskopische Untersuchung der Nase durch. Bei Verdacht auf eine odontogene Ursache erfolgt die Überweisung zum Zahnarzt oder Spezialisten mit Tätigkeitsschwerpunkt Oralchirurgie.

Im zweiten Schritt führt der Zahnarzt eine DVT-Diagnostik zur Lokalisierung der zahnmedizinischen Ursache durch und plant und führt die zahnmedizinische Sanierung durch.

Im dritten Schritt erfolgt bei Bedarf eine gemeinsame Operation (Kieferhöhlenrevision und endoskopische Nasennebenhöhlenoperation) in enger Abstimmung zwischen HNO-Arzt und Zahnarzt.

8. Vor der Behandlung: Was Sie wissen sollten

Wenn bei Ihnen eine odontogene Sinusitis diagnostiziert wurde und ein chirurgischer Eingriff geplant ist, sollten Sie folgende Fragen mit Ihrem Arzt besprechen: Welche zahnmedizinische Ursache wurde genau identifiziert? Kann der betroffene Zahn erhalten werden, oder muss er gezogen werden? Welches Operationsverfahren ist geplant, und wie läuft es ab? Wird der Eingriff ambulant oder stationär durchgeführt? Welche Narkose wird verwendet? Wie lange ist die Heilungszeit? Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Zur Vorbereitung auf den Eingriff sollten blutgerinnungshemmende Medikamente (z.B. Aspirin, Marcumar) in Absprache mit dem behandelnden Arzt rechtzeitig abgesetzt werden. Rauchen sollte mindestens zwei Wochen vor dem Eingriff eingestellt werden, da Nikotin die Wundheilung erheblich beeinträchtigt und das Infektionsrisiko erhöht. Am Operationstag sollten Sie nüchtern erscheinen, wenn eine Vollnarkose oder Sedierung geplant ist.

9. Nach der Behandlung: Der Weg zur Genesung

Die Heilungszeit nach einer Kieferhöhlenoperation hängt vom Umfang des Eingriffs ab. Nach einer Wurzelspitzenresektion oder dem Verschluss einer Mund-Antrum-Verbindung sind die meisten Patienten nach wenigen Tagen wieder arbeitsfähig. Nach einer umfangreicheren Kieferhöhlenrevision kann die vollständige Heilung zwei bis vier Wochen in Anspruch nehmen.

In den ersten 24 bis 48 Stunden nach dem Eingriff sollten Sie die Wange von außen kühlen (nicht direkt auf die Haut), um Schwellungen zu reduzieren. Essen Sie in den ersten Tagen weiche, lauwarme bis kalte Speisen und vermeiden Sie hartes, krümeliges oder scharfes Essen. Schnäuzen Sie sich in den ersten zwei Wochen nach dem Eingriff nicht – der entstehende Druck kann die Wundheilung stören und eine Mund-Antrum-Verbindung wieder öffnen. Wenn Sie niesen müssen, tun Sie dies mit offenem Mund, um den Druckaufbau in der Kieferhöhle zu minimieren. Vermeiden Sie in den ersten zwei Wochen schwere körperliche Anstrengungen, Sport und Schwimmbadbesuche. Putzen Sie die Zähne im Operationsbereich zunächst sehr vorsichtig und spülen Sie den Mund nach den Mahlzeiten mit einer milden Mundspülung. Halten Sie alle vereinbarten Kontrolltermine ein, damit der Heilungsverlauf überwacht und eventuelle Komplikationen frühzeitig erkannt werden können.

10. Risiken und mögliche Komplikationen

Wie bei jedem chirurgischen Eingriff gibt es auch bei der Behandlung der odontogenen Sinusitis Risiken. Eine umfassende Aufklärung gehört zur ärztlichen Sorgfaltspflicht.

Zu den allgemeinen Risiken zählen Nachblutungen in den ersten Tagen nach dem Eingriff, Wundinfektionen trotz steriler Arbeitsbedingungen, Schwellungen und vorübergehende Taubheitsgefühle im Wangenbereich sowie Narkoserisiken bei Eingriffen in Vollnarkose.

Zu den spezifischen Risiken gehört eine persistierende Mund-Antrum-Verbindung: In seltenen Fällen heilt der Verschluss nicht vollständig und muss erneut operiert werden. Bei der Kieferhöhlenrevision kann es in seltenen Fällen zu einer Verletzung des Nervus infraorbitalis kommen, was zu vorübergehenden Taubheitsgefühlen in der Wange führt. Wenn nicht alle Ursachen vollständig beseitigt wurden, kann die Entzündung fortbestehen.

Es ist wichtig zu betonen, dass schwerwiegende Komplikationen bei erfahrenen Behandlern selten sind. Die Vorteile einer erfolgreichen Behandlung – dauerhafte Beschwerdefreiheit und die Vermeidung von Folgeschäden – überwiegen die Risiken in den meisten Fällen deutlich.

11. Kosten und Kostenübernahme

Die Kostenübernahme durch die Krankenkasse hängt von der Art der Behandlung und dem Nachweis einer medizinischen Notwendigkeit ab.

Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt in der Regel die Diagnostik (OPG, in begründeten Fällen auch DVT), zahnerhaltende Maßnahmen (Wurzelkanalbehandlung, Wurzelspitzenresektion) bei erhaltungswürdigen Zähnen, die Zahnentfernung bei nicht erhaltungswürdigen Zähnen sowie die Behandlung von Zysten und Kieferhöhlenrevisionen bei medizinischer Indikation.

Ggf. privat zu tragen sind hochwertige Materialien beim Knochenaufbau oder Wundverschluss, bestimmte Implantate und Implantat-Folgebehandlungen sowie individuelle Zusatzleistungen. Ihr behandelnder Zahnarzt wird Ihnen vor dem Eingriff einen transparenten Heil- und Kostenplan vorlegen, der die Kostenverteilung zwischen Krankenkasse und Eigenanteil klar aufzeigt.

12. Langzeitergebnisse: Wie nachhaltig ist der Erfolg?

Die gute Nachricht: Wenn die zahnmedizinische Ursache vollständig beseitigt wird, sind die Langzeitergebnisse der Behandlung einer odontogenen Sinusitis ausgezeichnet. Studien zeigen, dass nach einer erfolgreichen Sanierung der Ursache und einer ggf. notwendigen Kieferhöhlenrevision mehr als 90 Prozent der Patienten dauerhaft beschwerdefrei sind.

Entscheidend für den langfristigen Erfolg ist die konsequente Nachsorge: Regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt stellen sicher, dass keine neuen Entzündungsherde entstehen. Patienten, bei denen ein Implantat die Ursache war, sollten besonders auf eine gute Implantatpflege achten, um einer erneuten Periimplantitis und damit einer Reinfektion der Kieferhöhle vorzubeugen.

13. Fazit: Interdisziplinäre Zusammenarbeit als Schlüssel zur Heilung

Die odontogene Sinusitis ist eine Erkrankung, die an der Schnittstelle zweier medizinischer Fachgebiete liegt: der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und der Zahnmedizin. Wer nur auf einer Seite behandelt, wird den Patienten nicht dauerhaft heilen können. Die moderne 3D-Diagnostik mittels DVT hat die Diagnose der odontogenen Sinusitis revolutioniert. Wo früher Ursachen jahrelang unentdeckt blieben, können heute selbst kleinste Entzündungsherde an Zahnwurzeln präzise lokalisiert und gezielt behandelt werden. In Kombination mit minimalinvasiven chirurgischen Verfahren – ob Wurzelspitzenresektion, Mund-Antrum-Verschluss oder endoskopische Kieferhöhlenrevision – stehen heute Behandlungsmethoden zur Verfügung, die eine hohe Erfolgsrate bei gleichzeitig kurzer Erholungszeit bieten. Wenn Sie unter einer einseitigen, hartnäckigen Kieferhöhlenentzündung leiden, die trotz HNO-Behandlung immer wiederkehrt, sollten Sie unbedingt auch einen Zahnarzt mit Erfahrung in der Oralchirurgie aufsuchen. Die Ursache könnte näher liegen, als Sie denken – nämlich direkt in Ihrem Oberkiefer.

Referenzen

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  2. Lopatin, A. S., Sysolyatin, S. P., Sysolyatin, P. G., & Melnikov, M. N. (2002). Chronic maxillary sinusitis of dental origin: is external surgical approach mandatory? The Laryngoscope, 112(6), 1056–1059.
  3. Maillet, M., Bowles, W. R., McClanahan, S. L., John, M. T., & Ahmad, M. (2011). Cone-beam computed tomography evaluation of maxillary sinusitis. Journal of Endodontics, 37(6), 753–757.

Über den Autor

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Dr. med. dent. Wolfgang Morche

Zahnarzt | Tätigkeitsschwerpunkte: Oralchirurgie & Implantologie | München-Schwabing

Dr. med. dent. Wolfgang Morche ist Zahnarzt mit den Tätigkeitsschwerpunkten Oralchirurgie und Implantologie in seiner Praxis im Herzen von München-Schwabing. Mehr als 25 Jahre Erfahrung haben ihn zu einem kompetenten Spezialisten gemacht. Als Mitglied mehrerer Fachgesellschaften für Implantologie und Anästhesie ist er im In- und Ausland tätig. Seit 2019 wird seiner Praxis das Prädikat „Kompetenzzentrum" vom Begründer der All-on-4®-Technik verliehen. Dr. Morche setzt auf modernste 3D-Diagnostik (DVT) für höchste Präzision bei der Behandlungsplanung.

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